2002 – 2017

the orange years – falk von traubenberg

 

2002-2017 falk von traubenbergg (pdf-de) // 2002-2017 falk von traubenberg (pdf-en, coming soon)

 

fast track  – acht/eight wesentliche/essential links:

ausstellungen / exhibitions

fotoarbeiten / photoworks

falks orange pants story (fops)

fops – photographic interventions

installationen / installations

videoarbeiten / video works

veröffentlichungen / publications

texte / texts

 

meine vorliebe für das leuchtorange in der warnschutzbekleidung wird mein erscheinungsbild die nächsten 16 jahre prägen. im jahr 2002 kaufe ich meine erste warnschutzbundhose und dieses keidungsstück entwickelt sich nach und nach zu meinem markenzeichen, mit einem ausgesprochen hohen wiedererkennungswert. das spiel mit dem „kleider machen leute“ thema reizt mich. das schubladendenken, dem wir alle mehr oder weniger unterliegen, wird offensichtlicht, zusätzlich indivudualisiere ich mich extrem und das mit einem kleidungsstück, das in vielen berufen quasi als uniform gilt.

nach acht jahren reinem kleidungsstück und landmark findet die hose auch ihren eingang in mein schaffen. 2011 beginne ich die fotoserie falks orange pants story. ein kontinuierlicher bilderfluss, indem ich in mein alltägliches umfeld immer ein stück meiner hose im bild integriere. sei es als anschnitt oder als spiegelung. die serie fotografiere ich nur mit dem iphone – dies habe ich immer dabei und das einfache und sehr direkte dieser kamera schätze ich und spiele ihre möglichkeiten mehr und mehr aus. im herbst 2017 mache ich letztmals fotos von mir mit der hose, ich lege sie als permanentes keidungsstück ab.

mein weg führt mich 2002 aus frankfurt wieder nach konstanz, da ich die möglichkeit habe, an einem archtekturführer im thurgau mitzuarbeiten. ich erlerne die arbeit mit der fachkamera. insgesamt fotografiere ich rund 80 projekte für das buch. daneben fertige ich auch die zeichnungen und beschreibungen an.

während dieser zeit entwickle ich auch mein weiteres fotografisches vokabular. ich versuche die möglichkeiten, die ich durch die digitale bildbearbeitung habe, für neue bildstrategien einzusetzen. ganz im flusserschen sinne erweitere ich die grenzen meines/des fotouniversums. die diaprojektion, die mich meine kindheit und jugend begleitet hat, die ich im studium mir selbst zu eigen gemacht habe und durch überblendtechnik weiter entwickelt habe, wird durch digitale bildprojektion ersetzt. das zwischenbild, wenn beide bilder zu sehen sind und eine neues drittes bild zusammen ergeben interessiert mich sehr. auch liegen hier die wurzeln für meine arbeiten, die einerseits stark bescheunigt oder aber extrem verlangsamt sind. dies wird bei meinen foto-video-arbeiten immer ein gestaltungsthema sein.

2005 schafft es meine arbeit mindstorm #01 in die vorauswahl des internationalen medienpreises für kunst und wissenschaft, ausgelobt vom zkm karlsruhe und dem swr. die arbeit gewinnt den zuschauerpreis und ist ein paradebeispiel für die art, wie ich die bilder beschleunige um sie im einzelnen dem blick des betrachters zu entziehen.

2002 ist auch das jahr, in dem ich erstmals dias in ein einmachglas verfülle. es passiert aus einer laune heraus. ich folge einem unbewussten impuls. die ästhetik spricht mich an. ich finde etwas daran, das ich noch nicht beschreiben kann. das glas gefüllt mit den diarähmchen steht lange auf meinem arbeitstisch. 2003 zeige ich erstmals öffentlich eine reihe von solchen gläsern, noch ohne grosses konzept dahinter. das daraus entstehende thema des nicht zeigens wird mich über viele jahre begleiten.

es entsteht die erste grosse installation: apparategedächtnis. es ist das jahr 2005 und wir wohnen mittlerweile in hamburg. die 288 einmachgläser umfassende arbeit zeige ich erstmals auf der nord art. über die jahre entstehen verschiedene installationsprojekte, die jeweils den betrachter und sein imaginationsvermögen brauchen, um ihre volle wirkung zu entfalten. sie beschäftigen sich mit verschiedenen aspekten der bildrezeption und den eigenen erinnerungen/erfahrungen.

auch verschiedene fotoarbeiten beleuchten das thema des nicht zeigens auf ihre ganz eigene art. das changieren zwischen abstraktion und konkretion wird von mir spielerisch eingesetzt. ich arbeite mich an die ränder des fotouniversums, dessen, was möglich ist. bilderzeugung jenseits des fotografierens (textur serie), das verstellen der bilder, obwohl man sie sieht (installationsarbeiten mit dias in einmachgläsern), das beschleunigen der einzelbilder (in teilen der videoarbeiten) als auch die herbeiführung von bildfehlern als motor für neue bildkompositionen reizen mich. schwerpunkt dabei ist immer wieder das portrait, auch der eigene körper spielt von zeit zu zeit eine zentrale rolle. die 2016 ins leben gerufene serie un/published zeigt auf eindrucksvolle weise mein gesamtes spektrum im handlichen format von 20x20cm.

mich interessieren konzepte, die ich dann konsequent verfolge. so sehe ich mein schaffen auch grundsätzlich in der konzeptkunst verortet. wenngleich mir das ergebnis, also das, was zu sehen ist schon als der wesentliche teil meiner arbeit erscheint. das konzept dient der erklärung, der herleitung – es ist der pfad, auf dem ich wandele.

in die orange years fällt auch mein engagement in sachen theaterfotografie, das ich seit dem herbst 2005 verfolge – noch bis heute. so hat sich mein schwerpunkt von der architektur in richtung menschen verschoben. bei der bühnenfotografie sind die darsteller essenzieller bestandteil. mein architektonisch geschulter blick ist hilfreich für die erfassung des bühnenraums.

in diese zeit fällt auch die geburt unserer drei kinder, die ich zusammen mit meiner frau habe. das familienbild, gerade bei familien mit kindern ein interessantes thema. wer kennt sie nicht, die putzigen fotos mit den süssen kleinen. ich finde im winter 2009 meine eigene antwort darauf: WIR 2009 – ein familienportrait. der betrachter wird mit dem thema familienportrait auf sich gestellt. nur seine vorstellung kann das recht cool wirkende installationsportrait aus dias in einmachgläsern kombiniert mit einer leuchtstoffröhre zum leben erwecken. je nach dem, wie er meine familie kennt, werden ihm andere bilder in den sinn kommen. selbst wenn er uns gar nicht kennt, wird er eine vorstellung zum gesetzten thema des familienportraits entwickeln.

am 14. april 2017 setze ich für meine bisherige arbeit einen schlusspunkt. ich spüre, dass es zeit wird, eine neue werksphase einzuläuten. um zu reflektieren, was mich antreibt, was bisher war und um mich neu zu fokusieren. ich melde mich ab, sage tschüss bis zum frühjahr 2018 – da möchte ich wieder mit neuen werken sichtbar werden. unter dem namen fbrvt aka falk baron rausch von traubenberg möchte ich einen neuanfang starten.

genau zwei monate nach diesem öffentlichem entschluss bekommt er für mich eine noch tiefere bedeutung. eine gesundheitliche krise unterstreicht meinen schon formulierten wunsch nach veränderung, gibt ihm eine neue dimension – es geht um meine existenz und dem, was mich ausmacht. mein sabbatical wird eine echte auszeit. für ein halbes jahr bin ich aus dem normalen leben gezogen. zurückgeworfen auf mich selbst. dem eigenen sein.

in dieser zeit entsteht auch schritt für schritt die konzeption für meinen neubeginn. das quadrat, die zahl acht und die reduktion nur auf das papier als bildträger entwickeln sich zu den formalen bausteinen um meine nun kontinuierliche, ohne in serien zu denken, entstehenden arbeiten einen rahmen zu geben und deren inhalt zu unterstreichen. es geht um das mensch sein in all seinen facetten, körperlich wie seelisch. diese inneren gefühle, teils unbewusst möchte ich zu tage tragen, immer wieder. von verschiedenen standpunkten und aus verschiedenen blickwinkeln. vielleicht ist das ganze expressionistische fotografie. über die jahre werde ich sehen, wohin mich diese arbeit führt.

 

fbrvt 03/2019